Interview mit Wilfried vom Ammersee:

Karl Valentin ist mein großes theatralisches Vorbild!

Wilfried vom Ammersee als Karl Valentin mit Geige und Trompete

Wilfried Müller ist vielen in der Fünfseenregion und im Lechrain als Wilfried vom Ammersee bekannt. In Landgasthöfen und Biergärten in der Region lädt er regelmäßig zu Musikantenstammtischen ein. Darüber hinaus geht der in Utting beheimatete Musikant und Sänger auch mit verschiedenen Programmen auf Tour. Mit dem großen Volkssänger, Schauspieler und Komiker Karl Valentin beschäftigt er sich schon seit vielen Jahren. Wenn er die Texte des Münchner Urgesteins präsentiert, dann ist das so lebendig, als würde das Original auf der Bühne stehen. Im Interview erläutert Wilfried Müller, was Karl Valentin für ihn bedeutet.

Von Hause aus sind Sie eigentlich Tierarzt und haben später mit medizinischen Geräten und der Ausstattung von Arzt- und Tierarztpraxen Geld verdient. Wie kamen Sie zu Karl Valentin?

Wilfried Müller: Nach dem Abitur ging ich nach Perugia in Italien um dort Italienisch zu lernen als Vorbereitung für mein Tiermedizin-Studium in Italien. Wir lebten in einem alten Bauernhaus in Umbrien und ab und zu trafen wir uns bei Rotwein, Spaghetti, Gesang und Lesungen. Eines Abends war ich dran mit Vorlesen, griff ins Regal und hatte Karl Valentins gesammelte Werke in der Hand. Seit dieser Zeit lassen mich sein Humor und seine Philosophie nicht mehr los. Karl Valentin ist mein großes theatralisches Vorbild, sein Humor ergreift junge und alte Menschen. Das versuche ich meinen Zuhörern zu vermitteln.

Was fasziniert Sie an diesem Allrounder und regelrechten Tausendsassa Valentin, der Volkssänger, Autor und Filmproduzent war. Was macht ihn auch heute noch so aktuell?

Wilfried Müller: Karl Valentins Humor und philosophische Art, die Welt zu betrachten, sind zeitlos und für alle Lebenslagen passend. Besonders fasziniert mich an ihm, dass er sich NIE auf Kosten Anderer lustig macht. Er bezieht seinen Humor immer auf das Leben an sich und sehr häufig auf sich selbst: Er kennt seine eigenen Schwächen und macht sich darüber lustig. Das ist wahre Größe. Karl Valentin litt zum Beispiel  an extremer Hypochondrie und hat sich genau darüber lustig gemacht, so in seinen Programmen „Beim Arzt“ oder  „In der Apotheke“. Wir halten Karl Valentin oft für ein bayerisches Phänomen. Weit gefehlt: seine Stücke werden auf den Bühnen der ganzen Welt gespielt. Es gibt Übersetzungen seiner Texte ins Italienische, Französische und Spanische. Ich fühle mich in diesen Sprachen einigermaßen sicher und habe Karl Valentins Stücke erfolgreich in diesen Ländern auf die Bühne gebracht.

Als Musiker touren Sie schon länger durch die Wirtshäuser in unserer Region und bringen Mitstreiter zu Musikantenstammtischen zusammen, die großen Anklang finden. Was war die Motivation dazu?

Wilfried Müller: Bei meinem Studium in Italien, in Parma und Perugia hatte ich viel Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen. Unter anderem traf ich in dem kleinen Dorf, in dem ich bei Parma lebte, Menschen, die sich jeden Sonntagnachmittag in der Dorfkneipe trafen, um zu singen. Man sang alte Schlager, Volkslieder, aber auch Chormusik und Arien von Giuseppe Verdi, der ganz in der Nähe gelebt hatte. Ich sang begeistert die italienischen Lieder mit und brachte meinen Freunden einige deutsche Lieder bei, die sie bald (fast) fehlerlos mitsangen. Da wurde mir klar, welche menschen- und völkerverbindende Wirkung das gemeinsame Singen hat, und ich machte es mir zur Aufgabe  das gemeinsame Singen in meiner neuen Heimat am Ammersee zu unterstützen und zu fördern. Mit meinem Format „Musikantenstammtisch“ jeweils am 2. und 4. Freitag im Monat habe ich eine Möglichkeit gefunden, Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen zusammenzubringen. Alle Instrumente, alle Stile, Sänger und Zuhörer sind hier willkommen!

Auf welche Programme und Auftritte können sich Ihre Fans im Herbst und vor Weihnachten freuen?

Wilfried Müller:  Karl Valentin hatte zu fast jedem Lebensthema Monologe, Dialoge, Couplets oder zumindest ein Zitat hinterlassen. Ich habe verschiedene Programme im Angebot. In „Karl Valentin und die Liebe“ geht es um Valentins Sicht auf die holde Weiblichkeit, die Liebe und die Treue. In „Karl Valentin und die Medizin“ mit dem Untertitel „Gar ned krank is a ned g`sund“ geht es um den Hypochonder Valentin und sein Verhältnis zur Medizin. „Wenn die staade Zeit vorbei is, wird`s a wieder ruhiger“ oder „Vom 28. Juli bis 6. August habe ich keine Zeit, da ich in dieser Zeit den Christbaum herrichten muss für Weihnachten“ – das sind so berühmte Valentin-Zitate, die sein Verhältnis zum Christfest deutlich machen. In meinem Programm zitiere seine vergnüglichen Texte und Erlebnisse zum Thema Weihnachten.

Vielen Dank für das Gespräch!
Im Oktober 2025